Allgemeine Ansätze zur Periodisierung des
Trainings
25. Januar 2008Das Interesse eines jeden Sportlers lag und liegt
schon immer darin, in der jeweiligen Wettkampfdisziplin seinen
Mitstreitern überlegen zu sein. Schon im Altertum war diesbezüglich auch bekannt, dass ein zeitlich
vorgelagertes "Training" die Chancen auf den Sieg deutlich erhöhen
konnte. Zunächst bestand diese Vorbereitung allerdings vornehmlich aus
der Wettkampfübung selbst. Ein Boxer stellte sich also viele Runden in
den Ring während ein Läufer seine anvisierte Laufstrecke wieder und
wieder absolvierte. Erst
später wurde erkannt dass eine Disziplinenleistung aus mehreren Faktoren
besteht die jeweils separat trainiert und in der Gesamtheit somit
optimiert werden konnte: Das Trainingskonzept war geboren. Mit den
olympischen Spielen von Helsinki im Jahre 1952 wurden schließlich
erstmals Trainingsaufzeichnungen russischer Trainer verfügbar, aus denen L.P. Matwejew einen theoretischen Ansatz zur Periodisierung lieferte -
dieser ist bis heute Grundlage der allgemeinen Trainingslehre. Sein
Ansatz implizierte - auch hinsichtlich der Präsentation des Sozialismus -
die zentrale Forderung, den Athleten zu einem
definierten Zeitpunkt in bestmöglicher sportlicher Form in den Wettkampf
zu entsenden.
Periodisierungsschemata
Das Leitbild von Matwejew geht von der Annahme aus, dass eine erworbene
Form nicht beständig auf gleich hohem Niveau gehalten werden kann und
folgert hieraus die sportliche Vervollkommnung in Phasen der Aneignung,
der Stabilisierung und des zeitweiligen Verlustes aufzuteilen. Aus der
Erfahrung heraus ist zudem bekannt, dass längerfristige Unterbrechungen
des Trainings einen Rückgang der sportlichen Leistung mit sich bringen.
Die Periodisierung selbst bezieht sich deshalb aus dem Grundsatz der
ganzjährigen Belastung heraus allgemein auf den Zeitraum eines Jahres
und wird schematisch vereinfacht wie folgt dargestellt:

Einfachperiodisierung
Übergangsphase (ÜP)
Sie ist die Brücke vom vergangenen zum aktuellen Trainingszyklus.
Obgleich hier keine unmittelbare forcierende Funktion vorsteht, hat sie
durch ihre aktive Erholungsphase eine wichtige Funktion innerhalb des
gesamten Trainingsabschnitts.
Vorbereitungsphase allgemein (VP)
Der Trainingsumfang wird hier stark ausgeweitet. Somit wird ein
Grundstock für später zu erzielende Leistungen gelegt. Mit einer
besonderen Betonung der allgemeinen körperlichen Ausbildung liegt zudem
ein wesentliches Merkmal auf der umfassenden körperlichen Entwicklung
des Sportlers.
Vorbereitungsphase speziell (VP)
Im weiteren Verlauf wird durch eine zunehmende Spezialisierung der
Belastungsnormativen die bevorstehende Wettkampfsituation vorbereitet
und die Intensität der Übungen schrittweise erhöht.
Wettkampfphase formbringend (WP)
Bereits zu Beginn dieser Periode sollte die sportliche Form erreicht
worden sein, so dass sich "lediglich" eine Bestätigung und
Vervollkommnung im Wettkampf und der umgebenden Situation einstellen
muss.
Wettkampfpase formerhaltend (WP)
Das Training in diesem Abschnitt ist vornehmlich durch die Ausführung
der Wettkampf- und spezieller Übungen selbst gekennzeichnet. Der Anteil
an allgemeinen Übungsfolgen wird nicht gänzlich, aber doch erheblich
zugunsten der spezifischen Leistung vernachlässigt um eine hinreichende
Stabilisierung der Form zu erreichen.
Im Grundsatz
Die Herausbildung und Steigerung der sportlichen Form ist im gesamten
Jahresverlauf entlang einem roten Faden gerichtet. Ausgehend von
einer relativ breiten Basis an Umfang und geringer Intensität
wird zielgerichtet und stetig die Form und Belastung an die Wettkampfsituation
herangeführt. Allerdings sind stets grundlegende Mechanismen zu beachten
die ansonsten zu einem Verlust oder wenigstens einer Minderung der
Leistungsfähigkeit führen würden - so finden sich etwa selbst in Phasen
der hochspezialisierten Wettkampfphase allgemein entwickelnde Übungen
wieder.
Erweiterung:
Später wurden aus der Einfachperiodisierung auch Modelle zur Zwei- und Dreifachperiodisierung
vorgestellt, die Sportarten mit mehreren Jahreshöhepunkten im
Wettkampfkalender gerecht werden.

Mehrfachperiodisierung

Trainingsabschnitte der sportlichen Laufbahn
Den Grundsätzen der zunehmenden Spezialisierung wird auch in der
grundlegenden Planung der sportlichen Entwicklung entsprechender Raum
gegeben. So wird in der Ausbildung des Athleten unter anderem auch nach
seinem Trainingsalter unterschieden. Wie auch im Jahresverlauf findet
sich auch hier eine beständige Variation hinsichtlich Umfang und
Intensität die, der jeweiligen Entwicklungsstufe angepasst, im gesamten
Kontext gesehen doch erheblich zunimmt. Der Forderung nach zunehmender
Spezialisierung wird - wie auch im Jahresverlauf selbst - wohl zum Teil,
nicht aber grundlegend nachgegangen.

Durch seinen systematischen Aufbau trägt dieses Modell dem individuellen
sportlichen Pensum und der Wettkampfanzahl Rechnung. Das erreichen eines
jeweils altersbezogenen hohen Leistungszustandes ist in jedem Abschnitt
übergreifend, während jedoch im Grundlagentraining auch übergeordnete
Lernziele wie zum Beispiel die zielgerichtete Leistungsmotivation
berücksichtigt werden. Das Aufbautraining konzentriert sich auf das
Beherrschen und Stabilisieren notwendiger Techniken, die letztlich im
Höchstleistungstraining vertieft und in der Komplexheit trainiert werden. Es gilt also im Kleinen wie im Großen dem roten Faden der
Entwicklung hin zu einem vollkommenen Sportler zu folgen und schrittweise
vom Bekannten zum Unbekannten, vom Einfachen zum Komplexen zu gelangen.

Trainingszyklen
Röthig (1983) definierte sportliches Training aus sportwissenschaftlicher Sicht
als einen komplexen Prozess mit dem Ziel der geplanten und sachorientierten Einwirkung auf die sportliche Leistungsentwicklung.
Es verwundert also nicht, dass die Steuerung auch in die kleinsten
Schritte der Prozesskette im Training Einfluss nimmt. So werden längere,
regelmäßig wiederkehrende Abschnitte mit ähnlicher Aufgabenstellung in
einem Makrozyklus zusammengefasst, der in der Dauer von einem Monat bis
zu mehreren Jahren andauern kann. Aufgebaut ist dieser wiederum aus
sogenannten Mesozyklen die rotierende Trainingsinhalte mittlerer Länge
für die Dauer von vier bis sechs Wochen beschreiben. Der Mesozyklus
lässt sich formell nochmals in Mikrozyklen von einer Woche unterteilen,
dem dann lediglich die einzelnen Trainingseinheiten nochmals unterstellt
sind. Auch hier führt also das Kleine zum Großen und lediglich die
Zielsetzung selbst verbleibt als übergeordnet und weisend für sich
stehen.

Ausblick und Feststellung
Dem formellen Gebilde Inhalt und Form zu geben obliegt letztlich dem
Trainer und Sportler selbst. Die hierbei tragende Rolle der Erfahrung
und des Wissens selbst wird schnell offenbar, denn nur wenn die
notwendige Reihenfolge der Inhalte eingehalten und die notwendige
Dimensionierung hinsichtlich Umfang und Intensität befolgt wird ist von
einem dauerhaften, tragenden und zielgerichteten Erfolg auszugehen. Es ist deshalb
unbedingt empfehlenswert die publizierten Quellen zu nutzen um von
dem reichhaltigen Wissen erfahrener Sportler, Trainer und Wissenschaftler zu
profitieren.
Weiterführende Links
zu externen Anbietern
 |
Optimales Training muß nach den Gegebenheiten der Sportart,
dem Alter und dem Leistungsvermögen des einzelnen ausgerichtet
werden. In diesem Buch werden verschiedene Trainingsmethoden und
-mittel aus sportmedizinischer und leistungsphysiologischer
Sicht dargestellt, wobei wissenschaftliche Erkenntnisse und
praktische Erfahrungen berücksichtigt wurden.
Das Buch ist vor allem dem Training der motorischen
Hauptbeanspruchungsformen und einigen ausgewählten Faktoren der
sportlichen Leistungsfähigkeit gewidmet und gibt sowohl dem
Spitzentrainer (-sportler) als auch dem Sportlehrer im
Schulbereich eine Fülle von Hinweisen, die eine Optimierung des
sportlichen Trainings ermöglichen.
Jetzt über unseren Amazon-Shop bestellen |
|