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Moosbummerl und die Fitnessbude

Wer das Leben des Moosbummerls mitverfolgt hat, der weiß auch, dass das Moosbummerl vor einiger Zeit einen Ausflug in das Land der Hünen machte. Fast ein Jahr war dies jetzt her. Damals ging das Moosbummerl gerne wieder nach Hause zurück. Er hatte es einfach satt, von Wettkampf zu Wettkampf zu ziehen. Und so war er wieder glücklich und zufrieden, als er wieder in seinem Baumstamm saß. Er genießt die Ruhe und die Stille des Waldes sehr und freut sich über die nette Gesellschaft der anderen Dorfbewohner.

Nur eines lernte das Moosbummerl damals sehr schätzen. Die Fitnessgeräte der Hünen. Mann, das war schon sehr praktisch. Zum ersten waren diese Geräte immer sehr sauber. Das ist schon sehr lästig, wenn es draußen im Frühling und im Herbst wochenlang regnet. Wenn dann das Moosbummerl Lust hat, ein paar Bäume durch die Wälder zu werfen, dann klebt hinterher die Rinde überall. Das juckt ganz schon mit der Zeit, vor allem am Bauch. Denn manchmal, wenn es das Moosbummerl überkommt, dann legt es richtig los und schleudert den ganzen Nachmittag abgebrochene Äste und umgeknickte Bäume durch die Gegend. Hinterher sieht das Moosbummerl dann meistens aus, als hätte es in Mulch gebadet. Dem Moosbummerl an sich wäre das ja egal, der schüttelt sich einmal und sagt dann: „Jetzt bassts wieder.“ Aber sein Freund, der Elf, der ist sehr reinlich. Wenn dann das Moosbummerl zu Besuch kommt und überall seine Rindenstücke verteilt, dann saust der Elf sofort in die Abstellkammer und holt den Besen heraus. Damit rennt er dann dem Moosbummerl auf Schritt und Tritt hinterher. Auch das würde das Moosbummerl nicht stören, denn wir wissen ja, dass es Nerven wie Drahtseile hat. Aber ungemütlich ist es halt, wenn man andauernd hupfen muß, weil schon wieder der Besen kommt. Obwohl, ganz so schlimm schimpft der Elf nicht mehr. Das liegt daran, dass das Moosbummerl jetzt seine Hosen draußen lassen muß, wenn er den Elf besucht.
Was dem Moosbummerl an diesen Geräten auch noch so gut gefallen hat, waren die praktischen Stecksysteme und die Vielseitigkeit. Egal, welche Hünenübung er machen wollte, es war immer alles zur Hand, was er gerade brauchte. Runde Scheiben, von denen jede 100 Kilo wog, kurze kleine Hanteln, ein paar Beilagscheiben für seine Freunde. Und schön sind sie, diese glitzernden Stangen. Denn das Moosbummerl liebt alles was glitzert. Damals hatte der Besitzer des Studios, in dem das Moosbummerl dann seine Kräfte rausließ, extra für ihn eigene Geräte anfertigen lassen. Diese waren doppelt gepresst, so dass eine Scheibe mit 100 Kilo gerade mal so groß war, wie eine normale Leichtgewichtscheibe zu 50. Auch eigene Hantelstangen wurden damals besorgt. Auch doppelt gepresst und fast doppelt so lang. Aber nicht nur, damit sie nicht abknickten. Nein, das Moosbummerl hat natürlich auch unbandige Kraft in den Händen und drückte das Metall einfach zusammen. Auf jeder Stange hatten seine Finger tiefe Dellen hinterlassen. Aber die Gewichte hätten anders ohnehin nicht ausgereicht – mit Streichhölzern spielt das Moosbummerl nämlich nicht so gern.

Nun ergibt es sich, dass natürlich auch das Moosbummerl jedes Jahr Geburtstag hat. Dieses Jahr war man in dem ganzen Dorf übereingekommen, dass man ihm, weil er wieder da war, eine ganz besondere Freude machen wollte. Und so saß das ganze Dorf beinand. Der Elf leitete die Sitzung der 100 Dorfbewohner und Trollmeister Zack führte die Ideenliste. „Laßt uns doch ein paar Hanteln für das Moosbummerl schlagen“, meinte der Schmied. „Hm“, meinte der Elf, „ich glaub nicht, dass das so eine gute Idee ist. Die liegen dann das ganze Jahr draußen, fangen an zu Rosten. So groß, wie diese Hanteln sein müssten… - nein, die kriegn ma nirgendsnicht unter.“ Wieder trat Schweigen ein und alle überlegten. „Wie wäre es mit einer Ballonfahrt.“, meinte die Frau des Metzgers. Der Trollmeister prustete los. „Den Ballon zeigst ma, der des Moosbummerl oben halten kann.“ „Obacht!“, rügte der Elf. „Ge, du hättst nämli sauber ausgschaut, wenn di des Bummerl ned vom Kiachturm obi ghoit hätt, damals wia di der Wind aufiblosn hod. Fett hatt no nia was gschobn.“ Kleinlaut verstummte der Trollmeister. ´Wenn es wengistens ein Sturm gewesen wär´, dachte er verschämt an die Szene von vor ein paar Monaten. Ein laues Lüftlein war durch den Ort geweht und eines davon hatte ihn derartig blöd erwischt, dass er wie ein Blatt im Herbsturm nach oben gesegelt war. An der Kirchturmspitze blieb er zum Glück mit einem Hosenträger hängen. Eine helle Aufregung war das gewesen. Dann kam das Moosbummerl, entwurzelte einen Baum und kletterte daran nach oben, um den Trollmeister hinunterzutragen. Er hing an Moosbummerls Schulter als das Moosbummerl abwärts stieg und hatte bald schon wieder die feste Erde unter den Füßen.
Plötzlich rief der Müller, ein kräftiges, stämmiges Mannsbild: „I hobs. Wir machen des so“ ….und dann steckten sie die Köpfe zusammen und tuschelten, kicherten und tüftelten einen Plan aus.

Die nächsten Tage waren für das Moosbummerl langweilig. Egal, mit wem er ratschen wollte, jeder hatte keine Zeit. Abend für Abend saß er in seinem Baumstamm. Nicht mal im Wirtshaus war jemand anzutreffen. Nicht mal nen Russ gabs, weil der Wirt den Ausschank zugemacht hatte. Die ersten Tage dachte er sich nix dabei, aber nach einer Woche kam es ihm komisch vor. Die Leut mieden ihn und keiner wollt mit ihm sprechen. Die Weiber kicherten nur blöd, wenn er sie fragte: „Hey, wo seids denn alle.“ Wenn jemand so ein großes Herz hat, wie des Moosbummerl, dann kann das schon nagen und so überlegte er, was er denn falsch gemacht haben könnte. Aber ihm fiel und fiel nix ein.

Als dann endlich der Geburtstag da war, war dem Moosbummerl schon gar nicht mehr nach Feiern zu Mute. Nicht mal der Elf hatte sich blicken lassen. Es war ein Morgen, wie fast jeder andere, nur daß das Moosbummerl die letzten Reste aus seiner Speis zusammenklaubte. Nicht ein Laden hatte die letzten Tage aufgemacht. Langsam begann er sich Sorgen zu machen. „Naja, fürs Frühstück reichts grad no“, dachte er und warf zwei Tüten Knödel in den Topf. „Was fang ich denn heut an?“, murmelte er vor sich hin. In diesem Augenblick klopfte, nein, donnerte es an die Tür. Er ging nach oben, um zu sehen, wer denn so einen Radau veranstaltete. Der Elf konnte das nicht sein, wenn der klopfte musste man schon direkt neben der Tür stehen, damit man das hören konnte. Draußen hörte er leises Gemurmel, dann machte jemand „Schhhhht, seids halt stad.“ Das Bummerl öffnete die Tür – und traute seinen Augen nicht. Das ganze Dorf hatte sich versammelt und brüllte nun wie aus einem Mund: „AAAAAAAAAAAAAAAAAllllesssss Guuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuttte zuuuuum Gebuuuuuuurtstaaaaaaaag, Mooooosbuuuuummmmmerl.“ Ach, wie sich das Moosbummerl jetzt freute. Er strahlte übers ganze Gesicht.
Aber so recht hatte er gar keine Zeit sich zu freuen. Der Elf trat auf ihn zu: „Drah di um“, befahl er. Das Moosbummerl tat wie geheißen. Da legte der Elf ihm eine Augenbinde an. „So, und jetzt geh ma los. Gell, du siehst nix.“ Das Moosbummerl spürte einen Lufthauch vor seiner Nase. Nein, er sah nix. Und dann marschierten sie los, das Moosbummerl vorneweg, der Elf dirigierte die Richtung und das ganze Dorf trappelte hinterher. Wie eine Kirchenprozession sah das aus.

Nach einer guten viertel Stunde blieben sie stehen. „Halt“, kommandierte der Elf. „Rat mal“, meinte er. „Nix da, für soiche Faxn hob i koa Zeit.“. Das Moosbummerl war ja nicht mehr zum Frühstücken gekommen und hatte nun langsam Hunger. Und der wurde noch angeregt, weil ihm ein herrlicher Duft nach allerlei Köstlichkeiten in die Nase stieg. „Na, gut“, meinte der Elf, „dann fangst halt glei o.“, und nahm die Augenbinde ab. „Ja, seids ihrs narrisch? Des is ja gigantisch.“, entfuhr es dem Bummerl. Er befand sich in einem riesigen Wirtszelt, irgendwo abseits vom Dorf mitten im Wald. Doch vor ihm breitete sich eine Tafel aus, die für einen Fürsten gemacht schien. Das Moosbummerl sah sich genauer die Speisetafel an. „Mei, des san ja alles Fitnessgeräte. Mei, wia mi des gfreit.“ Tatsächlich. An einem großen Rinderschenkel hingen links und rechts riesige Knödel, die Suppen waren alle in Breite Schüsseln gefüllt und mit Parmesan bedeckt – ganz wie richtige Magnesiumschalen. An einem Powerrack briet in der Mitte ein Ochse vor sich hin und duftete herrlich. Und dann die vielen Kurzhanteln – ein paar Keksstangen mit Marzipankugeln am Ende, ein paar Salzstangen mit gebackenem Filet. Es war ein herrlicher Anblick. „Na, dann“, meinte des Moosbummerl, „fang ma o!“. Das Büfet war eröffnet. Sofort saß das ganze Dorf schmausend und schmatzend an den Tischen und ließen es sich so richtig schmecken.

Als alle satt waren, auch endlich das Moosbummerl, da meinte der Elf: „Du, wir ham no was.“ `Was kann denn jetzad no kumma?´, dachte das Bummerl. „Komm, steh auf, da miaß ma rüber in den Nebenraum.“ „Jetzt bin i aber gspannt.“ Und schon trappelte das ganze Zelt in Richtung zu dem Raum, hinter dem Moosbummerl her. Ein richtiges Gedrängel war das, weil jeder noch das Gesicht der Überraschung des Moosbummerls sehen wollte. An der Tür standen schon der Müller und seine Frau und öffneten feierlich die Tür. Dem Moosbummerl verschlug es die Sprache.

Silbern glitzerte es ihm entgegen. Er stand mit offenem Mund in einem komplett austaffierten Fitnesskeller der allerbesten Art. Nur Spezialanfertigungen, alle eigens auf ihn ausgelegt. „Die ham mir alle seiber gmacht“, meinte der Schmied, der die Leitung der Vorbereitung übernommen hatte. „Seids ma ned bes, aber des Test i jetzt glei aus“. Und schon lag er auf der Bank und drückte die vorbereiten 500 Kilo mit Schwung nach oben. „Mei, des liegt aber sauber in der Hand.“ Er lief weiter zur Klimmzugstange und testete diese. Danach ins Reck und schnell ein paar Kniebeugen ausprobieren. Weiter und weiter ging es. Sogar einen Stein hatten sie in den Boden eingearbeitet, den man lupfen konnte. Das ganze Dorf stand drumrum und freute sich so sehr über die Freude des Moosbummerls.

Und so ging der ganze Tag vorbei. Das Bummerl hob und schub und schub und hob. Zwischendurch brachte man wieder ein paar Kerle immer ein paar Leckerbissen herüber, damit er nachladen konnte. Es war ein toller Geburtstag und noch spät in der Nacht konnte man die fröhlichen Stimmen der Gäste durch die Wälder hallen hören.
 

© Christine Findeisen (München im Dezember 2007)

 

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